Gartenterrassen offen

Direkt an der Kantonsstrasse, kurz vor der italienischen Grenze gelegen, findet man eine der wohl bekanntesten Osterias im Centovalli, das „Grütli“ in Camedo. Der Zugang zur – unerwartet – schönen Terrasse erfordert mutiges Service-Personal, das mit gefülltem Tablett jonglierend, allfälligen Motorrädern auf der Strasse ausweichen muss. Seit den Corona-bedingten Grenzbehinderungen ist diese Gefahr zwar gesunken, doch die charmante Osteria hatte auch keine Gäste mehr. Elisa und Giona mussten aufgeben – ich bin immer noch traurig. Das Dorf an der Grenze wurde noch einsamer und verlassener als ohnehin schon.

Doch das war gestern! Seit kurzem ist eine neue Mannschaft angetreten. Fast zufällig, beim Gang zur Bahnstation habe ich Andrea getroffen, der mir freudestrahlend die neue Menu-Karte zeigte. Ein junges Team: Nathan, Andrea, Paco und Gionata machen einen neuen Anlauf mit der Osteria. Geöffnet von 10 Uhr bis 22 Uhr, entsprechend den Corona-Spielregeln, werden auch Doppelzimmer zu CHF 120 (Einzel zu CHF 90) mit Frühstück angeboten, falls eine längere Rast in der Gegend gewünscht wird. Reservationen sind unter 078 218 29 17 und über info@osteriagrutli.ch möglich, alle „News“ und weiteren Informationen auf facebook und instagram zu finden sowie demnächst wieder auf http://osteriagrutli.ch

Andrea Meni
Andrea Meni
terrazza photos by osteriagrutli on facebook
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gustoso photos by osteriagrutli on facebook
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Damit es die jungen Gastronomen etwas länger aushalten, bist nun Du gefragt in diesen schwierigen Zeiten! Ein Schnupperbesuch in der Osteria lohnt sich alleweil – vielleicht auch bald drinnen im schönen Ambiente. Die Qualität der Speisen und die Freundlichkeit des Personals darfst Du gerne auf dieser Seite kommentieren.

Ein paar Schritte weiter treffe ich die nächste Überraschung: Eine farbenfrohe Sitzbank lädt zum Pefferminze-Tee (grosse Tasse CHF 3, kleine Tasse CHF 1). Als Bonus wird für einen zusätzlichen Franken eine Erdbeere angeboten. Und obendrein ist sogar eine astrologische Beratung möglich. Wenn Du Deine Geburtsstunde kennst, erhältst Du hier ein Radix-Geburtshoroskop. Toll was? Schreib uns in den Kommentaren, ob es auch zutrifft!

An dieser Strasse sind Kenntnisse über die Todesstunde hilfreich!

Es wäre ungerecht, mit diesen beiden Tipps den Blog-Beitrag zu beenden. Denn wenn Du noch weiter Richtung Bahnstation Camedo gehst, ist das alteingesessene Ristorante „Vittoria“ nicht zu verfehlen. Ein Lokal, das wohl alle Krisen seit den letzten Kriegen überstanden hat, wo sich nicht nur eingeschworene Einheimische treffen. Eine Sonnenterrasse mit bester Aussicht auf die Centovallina lädt zum Kaffee oder zu einem Gläschen Wein. Jedes Mal, wenn ich im Sommer zur Bahnstation eile, lockt mich die Tafel mit den Eiskrem-Varianten aus dem Tiefkühler. So ein Cornetto muss ich nun wirklich mal probieren!

Direttissima zur Bahnstation von Camedo

Für Kommentare auf den Titel des Blogbeitrags klicken!

Straßen und Helden

Es gibt bekanntlich vier Arten von Strassen im Tessin. Zum einen die Autobahnen für die rollenden Häuser vom Norden in den Süden, zum andern die Brechreiz erregenden Kurvenstrassen in die Täler, die es besonders den Motorradfahrenden angetan haben. Dann kommt Kategorie 3, die Verbindungen in besiedelte Gebiete mit normalen Kraftfahrzeugen, sei dies zur Seesicht oberhalb Locarno oder hoch zu den Dörfern in den Centovalli. Die vierte Kategorie, die Schweisstreibende, wo gestritten wird, ob der talwärts oder bergwärts Fahrende weichen muss, werden ohnehin nur Lebensmüde oder mit bester Lebensversicherung ausgerüstete Fahrer:innen auf sich nehmen. Und um es gleich vorweg zu klären: Im Gegensatz zu Deutschland muss in der Schweiz immer das talwärts fahrende Auto zurückweichen.

Heikel, weil doch zu jeder Tages- und Nachtzeit befahren, ist Kategorie 3, mit verrosteten Leitplanken und Marksteinen aus den frühen sechziger Jahren (oder aus der Eisenzeit). Damals fuhren die geübte Fahrerin und der geübte Fahrer recht unbedarft rauf und runter, denn die Strässchen waren ja von Bäumen gesäumt, die jeden „Fehltritt“ zumindest nicht tödlich enden lassen würden. Das hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert. Ja, einmal mehr der Klimawandel mit seinen immer verrückteren Wettereskapaden hat bereits einige dieser Strassen in Kategorie 4 verwandelt, welche seinerzeit für den Fiat 500 ausgelegt waren, dem Mercedesfahrer nun aber als Todeskurvenlinien mit beängstigenden Abgründen vor Augen erscheinen.

Nicht selbstverständlich, aber wohl mit Blick auf die wichtigen Tourismus-Einnahmen hat sich der Kanton Tessin drei Jahre nach dem grossen Sommersturm erbarmt, die erbärmliche Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen. Wir reden da nicht etwa von Elektro-Ladestationen, sondern von einfachen, aber beruhigenden Leitplanken. Diese zu bauen ist auch heute noch die schwere Arbeit von – meist – Männern hüben und drüben der schweizerisch-italienischen Grenze. Denen soll hier ein Kränzlein geflochten werden.

© Hans Kern
© Hans Kern

Auf der letzten Bergetappe vor der italienischen Grenze haben sich die gestandenen Arbeiter seit bald einem Jahr von Camedo über Borgnone nach Lionza und Costa hochgearbeitet. Gnadenlos, auch im Dezember, Januar und Februar bei Schnee und Eis, Regen, Wind und Wetter haben die tapferen Männer Stück für Stück Leitplanken zumindest an den gefährlichsten Stellen ersetzt. Heute am 16. April 2021 nach dem gestrigen erneuten 30-cm-Schneefall wurde der „Schlussstein“, die Dorfeinfahrt nach Costa, geteert. Meisterleistung, wie die teils riesigen Maschinen auf engstem Raum bewegt wurden. Meisterleistung, wie die Arbeiter die Fragen der Einwohner:innen stets freundlich beantworteten und die teils mürrisch Wartenden an den Baustellen vorbei leiteten.

© Wilfried Losem

Ein grosser Dank an dieser Stelle all den namenlosen Helden der Leitplanken. Und wenn Du sie in Zukunft wieder siehst, wink ihnen zu und ruf ein lautes „Tante grazie“ aus dem Fenster!

Wahnsinn, diese Maschinen auf der schmalen Bergstrasse… © video by Wilfried Losem
Zum Glück ist das Wetter gut für die Belagsarbeiten! © video by Hans Kern

Ende gut alles gut: Zum Schluss noch eine Bildergalerie von Hans Kern (© all gallery-pictures by Hans Kern), der die Arbeiten am Donnerstag, 6. Mai 2021 begleitet hat. Vielen Dank dafür!

P.S. Wie schon des Öfteren angemerkt: Fotos ohne © stammen von mir selbst. In diesem Beitrag stammen allerdings die meisten Bilder und Videos von Hans Kern und Wilfried Losem.
Wer einen Kommentar zum Blog schreiben möchte, muss auf den Titel des Beitrags klicken, um unten dann die Kommentarfunktion zu sehen…

Eine Zukunft für Rasa

Update April 2021

Der Bürgermeister der Gemeinde Centovalli, Ottavio Guerra, enthüllte jüngst die definitiven Gestaltungspläne für die neuen Seilbahnen Intragna-Pila-Costa und Verdasio-Rasa. „Während der Entwurfsphase wurde besonders darauf geachtet, dass sich die Seilbahnen nicht nur gut in die Landschaft einfügen, sondern auch eine hohe touristische Attraktivität haben. Auf diese Weise wird die Fahrt mit den Seilbahnen zu einem unvergesslichen Erlebnis. In Zusammenarbeit mit dem renommierten Designer Thomas Küchler – der auch die Kabine der CabriO-Seilbahn auf das Stanserhorn entworfen hat – konnte eine Kabine entworfen werden, die eine „bewegte“ Pergola-Atmosphäre schafft, um die Tessiner Atmosphäre voll zum Ausdruck zu bringen. Die neuen Kabinen wurden barrierefrei gestaltet. Der Eingang wird hindernisfrei und damit auch für Kinderwagen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität leicht zugänglich sein. Die neuen Kabinen werden jeweils 8 Personen befördern können und bieten ein großzügiges Platzangebot, das im Vergleich zu den jetzigen Kabinen verdreifacht wird (ca. 0,8 m2 pro Person). Das Konzept der neuen Seilbahnen ist es, den sanften Tourismus zu fördern und damit auch neue Arbeitsplätze im Tal zu schaffen. Die Tatsache, dass es sich bei den neuen Seilbahnen um eine Weltneuheit handelt, dürfte auch außerhalb des Tessins großes Interesse wecken und diese Attraktion einem größeren Kreis von potenziellen Gästen bekannt machen.

Update Januar 2021

Die Gemeinde Centovalli kommunizierte kürzlich, dass der Betrieb der neuen Bahnen (Rasa und Costa Pila) voraussichtlich an Ostern 2022 aufgenommen werden wird. Die Vorbereitungsarbeiten haben sich infolge der Pandemie verzögert. Der Betrieb der alten Bahn dürfte im November 2021 eingestellt werden.

Nun ist es soweit, „alea jacta sunt“. Über das neue Seilbahnprojekt zwischen Verdasio und Rasa wurde am 27. Mai 2020 entschieden.

Die Jury des Architekturwettbewerbs für den Entwurf des neuen Seilbahnprojekts vergab den ersten Preis für die „Umbrela“ genannte Studie des Architekten Francesco Buzzi aus Locarno. Der zweite Preis ging an das Projekt „PAESAGGI“ der Architekten Nicola Baserga und Christian Mozzetti aus Muralto. Die Gemeinde erwarb jedoch schlussendlich das Projekt „Ein Gebäude beginnt immer bei den Fundamenten“ von HOMA Architetti (Architekten Dario Martinelli und Michel Roncelli) aus Muralto.

Das Projekt „Umbrela“ des Architekten Francesco Buzzi sieht in jeder der beiden Stationen ein einfaches Vordach vor, das die elektromechanischen Systeme und die in einer Glaskabine enthaltenen Servicebereiche abdeckt. Der Vorschlag habe durch seinen infrastrukturell einheitlichen Charakter überzeugt, schreibt die Gemeinde Centovalli in ihrem Communique.

Die Jury unter dem Vorsitz von Bürgermeister Ottavio Guerra setzte sich aus Ewan Freddi und den Architekten Michele Arnaboldi, Paolo Canevascini und Francesca Pedrina als Mitglieder sowie den Architekten Bruno Buzzini und Gustavo Groisman als Stellvertreter zusammen. Das Wettbewerbsverfahren wurde vom Architekten Fabio Giacomazzi mit Unterstützung des Ingenieurs Reto Canale, Projektleiter für die Erneuerung der im Centovalli-Gebiet befindlichen Seilbahnen, und des Rechtsberaters Daniele Graber koordiniert.

Die virtuelle Ausstellung der verschiedenen Projekte ist ab 10. Juni 2020 auf http://www.centovalli.swiss einsehbar.

Mehr zur Vorgeschichte der Bergbahn findest Du im Blogbeitrag „Kleine Bahn mit grossen Plänen“.

Im Frühtau zu Berge…

Die extrem warmen Ostertage im Tessin sind vorbei aber der Schneeschmelze in Lagen über 1500 m.ü.M. kann man immer noch zusehen. Wer also nicht schon wieder zur Arbeit muss oder sich im Home Office einen Freitag gönnt, sollte die Gelegenheit nutzen, die Wanderschuhe aus dem Winterschlaf zu wecken. Es lohnt sich, denn die kahlen Bäume oder die nur mit zartem Grün verzierten Äste ermöglichen Durchblicke, die einem im Sommer verwehrt sind.

Doch wo soll man wandern, wenn man keinen Weg findet? Da sind die meist unsichtbaren Wegbereiter gefragt, die auch dem ortsfremden Wanderer auf Sichtweite mit frisch gemalten weiss-rot-weissen* Streifen den Weg weisen! Einer von diesen selbstlosen Freunden der Wanderer ist ein Nachbar von mir, Hans Kern. Seit 35 Jahren besitzen er und seine Frau ein kleines Rustico in Costa. Der heute pensionierte Fotograf hat die neuen Wanderweg-Zeichen gleich selber dokumentiert.

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Die meisten Wanderwege findet man über Kartenmaterial. Hier hat sich in den letzten Jahren „swisstopo“ digital hervorgetan. Ich habe bereits im Beitrag über die Via Mercato auf die tolle App hingewiesen. Seit 1. März 2021 sind nun auch alle digitalen Geodaten von „swisstopo“ kostenlos und können frei genutzt werden. Auch die Namen der Berggipfel findet man in der App mit dem Smartphone-Sucherbild.

Und doch bleibt ein grosser Wermutstropfen. Denn viele schöne Wege, die nur wenig begangen werden, findet man nicht auf diesen Karten. Grund: Es gibt keine oder keine sichtbaren Wandermarkierungen mehr.

Photo © by Marianne Meyer

Eine dieser tollen Routen ist der direkte Weg von Costa Borgnone über Corte Nuovo zum Pizzo Ruscada. Bereits vor 30 Jahren haben Hans und ich diese Route mit Spraydosen bewaffnet markiert. Nach wenigen Jahren war davon nichts mehr zu sehen. Vor einem Monat hat nun Hans nochmals die Initiative ergriffen und ist mit zwei Farbkübeln losgezogen, das schwer zu findende Wegstück nach Corte Nuovo neu zu bemalen. Nach dem von Gianni Pantini gestalteten „Punto panoramico“ mit der schönen Sitzbank und der überwältigenden Aussicht (Bella Vista) musste Hans das weitere Markieren auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Der viele Schnee in den schattigen Osthängen hätte für die Arbeiten ein zu grosses Risiko bedeutet. Sobald er wieder in Costa ist und die Bedingungen es zulassen, will er nochmals zu Farbe und Pinsel greifen und das restliche Wegstück bis nach Corte Nuovo markieren.

All photos © by Hans Kern
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Nicht zu unterschätzen sind letztlich auch die Sicherheitsaspekte dieser Markierungen. Die Centovalli sind ein gefährliches Gelände. Die weiss-rot-weissen Markierungen sind in der Schweiz bekanntlich Bergwanderwege. Leider wird dies von unbedarften Turnschuh-Ausflüglern nicht immer ernst genommen. Jahr für Jahr kommt es zu schweren Unfällen und gar Todesfällen. Mit der Wanderung zum Ruscada solltet ihr allerdings selbst mit guter Ausrüstung noch etwas zuwarten. Trotz eitel Sonnenschein liegt noch zu viel Schnee…

Auf eine kleine Wanderung, die auch jetzt schon Freude bereitet, werde ich demnächst mit einem Ausflug ins Pedemonte «gluschtig» machen.


* Wer noch mehr über Wegmarkierungen erfahren möchte, findet dies hier.

Rauch aus den Kaminen

mein alter Kamin

Mit ungewöhnlich viel Schnee hat das neue Jahr 2021 im Centovalli begonnen. Klirrende Kälte seit Wochen. Rauch steigt überall aus den Kaminen. Und drinnen freut sich, wer sich am wohligen Feuer erwärmen kann und abends, wie in alten Zeiten in einem Buch blättern darf. Ein besonders passendes ist mir von Karl Iten und Willi Schwitter in die Hände gefallen, das mit einem Gedicht von Joachim Ringelnatz beginnt: Rauch

„Erdentbunden steigt ins lichte
Himmelreich der Rauch.
Uferlos dramatische Geschichte
Spielt ein Hauch.
In Sekunden blickentschwunden
Trägt er doch Substanz und Geist
Nach Gesetz ins Ungefähre.
Manchmal wünsche ich, ich wäre
Derart erdentbunden
Endlich abgereist.
Könnte niemand mich umarmen.
Könnte niemand mich vernichten.
Doch ein Rauch kann wie Erbarmen
Wunderfromm zum Himmel dichten.“

meine alte Feuerstelle

Eigentlich ist es kein Buch, sondern ein Kunstwerk auf mehr als tausend Seiten in Schwarz- und Weisstönen ohne Seitennummerierung, sanft schwebend, eben wie der Rauch aus den Kaminen steigt. Mit mehr Fotos von wundersamen und seltsamen Konstrukten bebildert, als mit Text versehen. Selbst Faksimile fehlen nicht. Fein säuberlich nach Tessiner Regionen geordnet, beschreibt es akribisch illustriert die phantastische Welt der Kamine über den Steindächern: i Comignoli

Die Motivation des passionierten Werkes liegt im Wandel und Zerfall der ursprünglichen Tessiner Behausungen: Karl Iten leitet ein: „Im November 1974 entdeckte ich auf einem Haus in Claro zwei reizvolle alte Kamine. Das Haus war nichts Aussergewöhnliches, ja vielleicht sogar hässlich. Aber die beiden Kamine, die auf seinem Dache standen, verliehen ihm einen Zug von warmer Menschlichkeit. Wieviel Phantasie strömten sie aus, wieviel Wärme und Poesie. … Als ich im Dezember, kaum einen Monat später, wieder südwärts fuhr, waren sie verschwunden! Das Dach wurde neu gedeckt, und man hatte die Gelegenheit benützt, sie zu entfernen. Ein paar Tage später erhob sich bereits ein neuer Kamin auf dem Dach: verglichen mit seinen Vorgängern ein phantasieloser, äusserst fader und langweiliger Geselle. Das alte Haus steht seither recht hilflos und armselig da und man sieht nur noch seine Hässlichkeit….
Nichts von Bedeutung, werden Sie denken. Freilich – man wird diesen Verlust verschmerzen, genauso wie man Dinge verschmerzt hat, die viel bedeutender waren. Aber: Auf diese Art wird unsere Umwelt von Tag zu Tag ärmer. Die Summe zahlloser Details wiegt immer schwerer, wir werden das in einer nicht allzu fernen Zukunft in einer völlig verarmten Umwelt ernüchtert entdecken.
“ Bald 50 Jahre später weiss wohl jeder, was der Autor damit meinte. Einen echten Kulturschatz hat er mit seinem Buch geschaffen.

Die wundersame Vielfalt der Tessiner Schornsteine erschliesst sich einem über die vielen Bilder, die akribisch als Bestandesaufnahme dokumentiert und mit vielen erläuternden, aber vor allem auch poetischen Texten versehen sind. Besonders interessiert uns Kapitel 6: Pedemonte und Centovalli:

i Comignoli
i Comignoli
i Comignoli
i Comignoli
i Comignoli
i Comignoli
i Comignoli
i Comignoli
i Comignoli Remagliasco
i Comignoli Remagliasco
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Passend zur heutigen Zeit endet das Buch mit einem Zitat aus Bertolt Brecht’s Gedicht „Das Lied vom Rauch

Die da alt sind,
hör ich,
haben nichts zu hoffen,
denn nur Zeit
schafft’s und an Zeit
gebricht’s.
Doch
uns Jungen,
hör ich,
steht das Tor weit offen.
Freilich, hör ich,
steht es offen nur ins Nichts.
Und auch ich sag:
lass es!
Sieh
den grauen Rauch,
der in immer
kältre Kälten geht:
so
gehst du auch.

Das Werk gehört eigentlich in jede gute Tessiner Stube. Doch, es ist leider nur noch antiquarisch zu kaufen – oder vielleicht noch in einer Bibliothek erhältlich. Karl Iten (1931 – 2001) und Willi Schwitter (1932 – 2018) schweben heute selbst in ihrer phantastischen Welt über den Steindächern.
Das Buch enthält auch Texte von Piero Bianconi und Pietro Salati, erschienen im „Verlag Buchdruckerei Gamma & Cie. CH 6460 Altdorf“ © 1975 Karl Iten

i comignoli
i comignoli
i comignoli
i comignoli
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16.2.21, Nachtrag:
Der Schriftsteller Kurt Hutterli, der mit seinem Blog „Von Tal zu Tal“ stets mit meinem Blog verbunden ist, hat auch zu diesem Buch beigetragen. Er schreibt mir:

Eine grosse Freude für uns war Dein poetisch informativer „Comignoli“-Blog. Sehr schön das Foto von Deiner alten Feuerstelle! Du hast Recht: Das Buch ist ein Kunstwerk. Ich bekam ein Exemplar als Honorar für meine drei darin enthaltenen Fotos.

VII.5: Am Kamin bei Mazzis in Bordei. Im Heimatbuch hast Du die beiden Frauen auf Seite 101 schon angetroffen.
IX.7 / IX.8: Kaminfeger-Werkzeug aus dem Haus meiner Grosseltern in Remagliasco (im Heimatbuch auf Seite 56).
Auch das Foto auf der  Doppelseite 6.10 stammt von mir und nicht von Karl Iten, der sich dann für dieses Versehen entschuldigte. Es zeigt die Schornsteine auf dem Dach unserer Nachbarn in Cadalom – im Vordergrund eine unserer Narzissenwiesen.