Mit den Lamas ins neue Jahr

Was soll denn das Lamatrekking auf dem Monte Comino während sich der Gridone schon mit zartem Weiss bedeckt hat? Es war eben für mich das Highlight des Jahres und die Erinnerung daran ist auch ein schönes, wärmendes Weihnachtsgeschenk.

Teddy B wie auch Ticino Weekend haben schon darüber berichtet und die Lamatrekkler haben sogar eine eigene Website: Marisa und Jean-Pierre Bäschlin, die mit viel Herzblut ihren Lama-Bergbauernhof auf dem Monte Comino betreiben. Wer seine Ferien mit Kindern im Centovalli verbringt, wird vom Spaziergang mit den Lamas begeistert sein. Manchmal braucht es etwas Zeit, sich mit den fremdländisch anmutenden Tieren anzufreunden. Auch der kleine Hund im Video hat einen mutigen Anlauf genommen… und der grosse Hund hätte wohl gerne ebenso etwas Wasserkühlung an den heissen Tagen.

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Ausflug in die Terre di Pedemonte (3)

Wie Erica auf den Esel kam

In Cavigliano, fast unten an der Melezza, ist ein wunderlicher und wundersamer Paradiesgarten zu finden. Die Asiniera der Erica Bänziger mit ihren gar nicht so störrischen, aber oft unterschätzten Vierbeinern. Sie heissen Camilla, Bella, Ronja, Bobbie, Ciccio, Stella, Isabella und Smilla – und bereiten nicht nur ihrer Besitzerin viel Freude. Doch der Reihe nach…

Erica Bänziger, die Wildkräuter-Expertin, Kochbuchautorin, Ernährungsberaterin und Dozentin hat mindestens eine grosse Liebe: ihre Esel. Vor über 20 Jahren hat sie die ersten Tiere für ihre Kinder erworben. Was für eine schöne Kindheit muss das gewesen sein, auf dem Rücken von Eseln die Welt zu entdecken! Heute sind es acht Tiere inklusive einer Gross-Eselstute aus der französischen „Baudet de Poitou“, einer vom Aussterben bedrohten Rasse.

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Ausflug in die Terre di Pedemonte (2)

Capra Contenta

Herzlichen Glückwunsch Christiane Kostka zum 20-jährigen Jubiläum mit den zufriedenen Ziegen!

Eines der nachhaltigsten Projekte für Liebhaber*innen von Ziegenkäse findet sich im Dreieck Centovalli, Terre di Pedemonte und Onsernone-Tal. Der Kiosk braucht kaum mehr Werbung, denn viele Restaurants und noch mehr Privatpersonen beziehen den leckeren Büscion-Frischkäse, die Tessiner Formagelle und weitere Spezialitäten seit vielen Jahren vom Cresmino-Hof. Wer ihn trotzdem noch nicht kennt, findet ihn linkerhand nach wenigen Kurven nach der Abzweigung bei Cavigliano im Onsernone-Tal. Bargeld solltest Du dabei nicht vergessen, denn der Käse wird in Selbstbedienung erworben.

Über die Produktion des Formagelle liest man auf der Hof-eigenen- Website: «In unserer kleinen einfachen Alm-Milchküche werden die typischen Tessiner „formaggelle“ als Rohmilchkäse im Kupferkessel hergestellt. Die Milch wird erwärmt, mit Milchsäurekulturen gesäuert und mit Lab eingedickt. Dabei muss die Temperatur und die Säuerungs- und Dicklegungszeit genau überwacht werden. Danach wird die Masse mit der Käseharfe geschnitten und so lange fachgerecht gerührt und bearbeitet bis sich der Bruch von der Molke trennt. Die Molke wird abgezogen und der Bruch in Formen geschöpft. Dort wird er warm verpackt und im Lauf von 24 Stunden mehrmals gewendet. Am nächsten Tag wird er aus der Form genommen und mehrere Stunden ins Salzbad gelegt. Danach kommt er in den kleinen alten Gewölbe- Keller, wo er während der etwa vierwöchigen Reifezeit täglich kontrolliert, gepflegt und gewendet wird. Ist der Käse reif, wird er verpackt, gewogen und im Rucksack ins Tal gebracht.» 10 Liter Ziegenmilch braucht es für ein Kilo Käse. Stell Dir die Arbeit vor, die dahintersteckt…

Christiana Kostka hat den Hof und die zugehörige Alpwirtschaft «Riei» gemeinsam mit Adriano Berguglia 2002 gegründet. Dank harter Arbeit war es der Beginn einer bis heute erfolgreichen Geschichte, die dem Bio- und Nachhaltigkeits-Zeitgeist weit voraus war. Ihr Ziel war stets, im Einklang mit der Natur und mit Achtung vor den Bedürfnissen der Tiere zu leben und in befriedigender Arbeit qualitativ hochwertige Lebensmittel herzustellen und zu verkaufen.

Vielen Dank den Eignern und all den freiwilligen Helfern über die Jahre. Wir hoffen, dass der Hof noch lange weiterlebt!

Der Büscion ist der Lieblingskäse meiner Frau. Sie kauft ihn dort stets in grösseren Mengen, da er sich problemlos tiefgefrieren lässt und nach dem Auftauen immer noch genauso gut und frisch schmeckt. Mit feinem Olivenöl beträufelt, gegrillten Peperonis, ein paar schwarzen Oliven und einem Stück Schwarzbrot ein wahrer Traum!

Ausflug in die Terre di Pedemonte (1)

I rigattieri der Villa Ramazzina

Wer die enge Strasse durch die Dörfer zwischen Intragna und Ponte Brolla nicht scheut, streift unweigerlich die Villa Ramazzina in Verscio. Man erhascht einen Blick auf ein paar Antiquitäten und das Schild «I rigattieri». Die Rigattieri sind je nach Übersetzung Altwarenhändler, Schrotthändler, Trödelläden, Flohmärkte oder etwas vornehmer, Antiquare. Da kaum Platz zum Parkieren vorhanden ist und meist ein Schild verheisst, dass der Laden geschlossen ist, braust man weiter.

Doch wer früher oder später etwas ganz Bestimmtes sucht, merkt sich die angeschriebene Telefonnummer oder wartet, bis der Besitzer doch einmal seine Tore öffnet. Die Belohnung ist gross! Inmitten der Schätze im Reich von Aladins Wunderlampe erwartet Dich ein freundlicher Mann, der nicht nur Italienisch, sondern auch Deutsch spricht. Und er wird für Dich finden, was Du suchst.

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Luca Barblan ist seit 2006 Besitzer der Villa Ramazzina, ein Sammler über alle Stilrichtungen und ein gewiefter Händler. In kürzester Zeit wirst Du vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen – die Fotos illustrieren nur einen Ausschnitt aus der Welt des Luca Barblan, der regelmässig auch am Flohmarkt in Ascona anzutreffen ist. Wie man auf die obersten Freiluft-Etagen des Anwesens gelangt oder wie man die schweren Gegenstände nach dort oben transportiert, blieb bei meinem Besuch ein Rätsel.

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Hätte der Mann etwas mehr Zeit all die Dinge zu ordnen, könnte er auch Eintritt in sein Museum der wundersamen Gegenstände verlangen. Aber da die schönen Stücke nicht ganz günstig zu erwerben sind, braucht er das wohl nicht und richtet sein Augenmerk eher darauf, dass ihm nichts abhanden kommt.

Zu vermieten oder auch kostenlos, die Atelierhäuser der Fondazione Bick

Kaum zu glauben, wieviel Neues in den Centovalli zu entdecken ist. Oder kanntest Du die Casa Maria und die Casa Cecilia in Costa? Nein, nicht in Costa sopra Borgnone, sondern in Costa sopra Intragna. An diesem Unterschied ist möglicherweise schon einmal eine Ehe gescheitert. Wie die Geschichte erzählt wird, sollen einst zwei Verliebte aus dem Tal im jeweils falschen Costa aufeinander gewartet haben – leider ohne happy end. Aber nun zur wahren Geschichte von Eduard und Angelika Bick:

Selbstbildnis 1945 – aus dem Neujahrsblatt der Zürcher Kunstgesellschaft 1948

Die Geschichte des Eduard Bick reicht ins vorletzte Jahrhundert zurück. Geboren am 15. Januar 1883 in einer Goldschmiede-Werkstatt im sankt-gallischen Wil, zeichnete sich schon früh eine künstlerische Laufbahn als Maler und Bildhauer mit Holz-, Granit und Bronze-Plastiken ab. Mit seiner Berliner Ehefrau Angelika Ohloff (1893) fand er dann nicht nur in Zürich, sondern auch im Tessin eine neue Heimat. Nicht unüblich für Künstler zwischen den Weltkriegen gerieten sie in einen Sog zum Freiheit versprechenden Süden im kommunistisch-sozialistischen Umfeld der Monte Verità Bewegung. Fast mittellos erstanden sie etwas Land zur Selbstversorgung mit Freunden und bauten später ein Atelierhaus in Sant’Abbondio-Ranzo im Gambarogno an den Hängen des Lago Maggiore.

© Fondazione Eduard Bick

Angelika Bick schreibt in ihren Aufzeichnungen: «Im April 1935 hatte uns Spengler bereits so weit bearbeitet, dass wir weich wurden. Mein Mann riet mir hinunterzufahren und das Land einmal anzusehen. Ich war begeistert über Schönheit, Einsamkeit und Unberührtheit der Landschaft. Bei Mondschein schlich ich auf dem Terrain herum. Ich war wie trunken. (…) Im Rücken der schöne Hügel hatte es mir angetan, oft spazierte ich herauf, genoss die schöne Aussicht und Wünsche stiegen in mir auf, ihn zu besitzen. Das Glück war uns hold, das Glück zur Güterzusammenlegung. Der Geometer gab meinem Mann einen Wink, er kaufte für 300.00 und 200.00 zwei Stück Land in Gerra und man tauschte dafür den «Hügel» ein. Unfassbar – Ein Wunsch war in Erfüllung gegangen, Begeisterung und grosse Liebe hatten dazu beigetragen.»

© Fondazione Eduard Bick

1947 stirbt Eduard Bick in Zürich, 1956 folgt ihm Angelika, nachdem sie testamentarisch Land, Haus und die Hälfte des Barvermögens für eine zu gründende «Eduard Bick-Stiftung» vermacht hatte. Dies war der Beginn der Fondazione Eduard Bick (Link zu fondazionebick.ch). Die Stiftung ist gemeinnützig orientiert und seit 2018 steuerbefreit. Die Mieteinnahmen werden ausschliesslich zur Erhaltung der Liegenschaften und des Stiftungszweckes benutzt.

Im Nachruf für Angelika Bick schrieb der Willensvollstrecker Guido Fischer 1957: «Diesen für die Gattin unseres Kollegen zum Kostbarsten auf dieser Erde gewordenen Besitz wollte sie keinem der Interessenten, die sich aus der Schweiz, aus Deutschland und Holland gemeldet hatten, verkaufen. Es war ihr Wunsch, dass er den Schweizer Malern und Bildhauern zugutekommen solle. Die Gewissheit, dass die Plastiken und Gemälde von Edouard Bick ihren Wünschen entsprechend verteilt seien und dass ihr Haus und ihr Land Malern und Bildhauern Freude machen werde, haben über die letzten Tage von Angelika Bick eine wundersame Verklärung gebracht.»

Casa Cecilia © Fondazione Eduard Bick
© Foto Stefan Rohner
Casa Maria © Fondazione Eduard Bick
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Erst im Jahre 2000 wurden dann die sorgfältig renovierten Steinhäuser Casa Maria und Casa Cecilia sopra Intragna als Schenkung von Verena Graf in die Stiftung eingebracht. Seither stehen die Häuser professionellen Kunstschaffenden für kurz- und mittelfristige Aufenthalte zur Verfügung, zur Inspiration, Erholung und zur Schaffung neuer Werke. Die vier Häuser können gemietet oder über Kunst-Stipendien genutzt werden.

  • Stadt Wil SG vergibt seit 2017 ein Atelier-Stipendium
  • Kultur Stadt Bern vergab 2021 zwei Stipendien in Costa.
  • Visarte Schweiz – ist seit Gründung der Stiftung im Vorstand vertreten und hat in früheren Jahren bereits Angebote für Mitglieder gemacht.

Alle Angaben zu den Häusern mit Buchungsmöglichkeiten und Preisen findest Du mit folgenden Links (auf Bild klicken):

2022 fährt die kleine Seilbahn nach Pila Costa nur Warentransporte. Das bedeutet kleine Wanderungen, um nach Intragna zu gelangen. Aber wenn Du einmal in den schönen Häusern wohnst, willst Du sowieso nicht mehr weg. Und im Grottino Costa dort oben wirst Du sicher etwas Gesellschaft finden. Also nichts wie hin und buchen solange noch Platz ist.

Zum Schluss noch etwas Persönliches. Wie der Zufall spielt, bin ich selbst Bürger der Stadt Wil SG und dort aufgewachsen. Mein Grossvater (1869 bis 1933) führte ein Uhren- und Optikgeschäft und hat bestimmt die Goldschmiedewerkstatt der Familie Bick gekannt, die nur unweit von unserem Laden an der oberen Bahnhofstrasse gelegen war. Mein Vater (1897-1979), ebenfalls Uhrmacher ist Herrn Bick später vielleicht einmal in Zürich begegnet als er im Uhrengeschäft Beyer an der Zürcher Bahnhofstrasse arbeitete. Doch genug der Spekulation!

Etwas wehmütig wünschte ich schon, auch in die Zeit der dünn besiedelten Landschaft am Lago Maggiore geboren worden zu sein, als Künstler in einer Zeit ohne Internet und in einem bescheideneren Leben. Trost spenden bei diesen Gedanken die heute noch bestehenden Steinhäuser als alte Zeitzeugen der Centovalli, die Casa Maria, die Casa Cecilia und all die vielen anderen mehr.