Von Verdasio nach Wien

Der Blog-Beitrag zur Geschichte der Centovalli hat unerwartet weitere Bezüge gefunden. Es geht um die Geschichte des an verschiedenen Orten im Centovalli ansässigen Geschlechts der Mazzis. Aus Deutschland schrieb mir Renate Fennes, die bereits seit vielen Jahren nach den Vorfahren ihres Mannes aus Verdasio forscht:

„Zum (bisher) ersten Mal wird ein Matzi schriftlich erwähnt im Jahr 1654, also kurz nach Ende des 30jährigen Krieges, als Rauchfangkehrer in Krems/Niederösterreich. (Anmerkung: Die Mazzis aus Verdasio schrieben sich in Österreich Matzi.) Laut Unterlagen scheint er viele Jahre zwischen Krems und Verdasio gependelt zu sein. Immerhin eine Strecke von mindestens 800 Kilometern. Bis mindestens 1674 werden seine Kinder in Verdasio geboren. Ich frage mich seit Jahren, auf welchen Routen er wohl von Verdasio nach Krems gewandert ist. Ein Nachkomme des ersten Mazzi hat es bis zum Obervorstand der Rauchfangkehrerinnung in Wien gebracht. Seine Tochter Katharina heiratete 1838 den Oboisten Michael Alexander Petschacher, der noch mit Mozarts Sohn zusammen musiziert hat.“  Die Vorfahren der Katharina Matzi konnte Renate Fennes bis 1654 zurückverfolgen.

Katharina Matzi, geb. 7.1.1810 in Langenlois Niederösterreich

Hier kannst Du den interessanten Beitrag von Renate Fennes in voller Länge als PDF öffnen. Zu lesen ist darin u.v.a. über die Eheschliessung des Ferdinand Augustin Matzi 1803 mit Maria Anna Rosalia Eitelberger  „Sind den 18. November in einer Eheverkündung dispensiert worden“ (Die Braut war bereits schwanger und der Bräutigam noch nicht volljährig). Das Testament des Peter (Petrus) Matzi vom 2. Dezember 1728 ist als separates Dokument hier in voller Länge zu finden.

Am 10. Januar 2019 bekam ich auf Anfrage bei Prof. Mazzi, der zwar keinen familiären Bezug zur Familie Mazzi hat, aber ursprünglich aus Palagnedra stammt, folgende Rückmeldung:
Ich habe keinen historischen Hintergrund … Mein Wissen ist vor allem das Gedächtnis. Es wurde mir von meiner Tante, die 2007 starb, übermittelt. Und zum Teil von Don Enrico Isolini, als ich während des Gymnasiums in der Messe las.
„Schade, dass ich nicht mehr aus dem Wissen meiner Tante Maria herausgeholt habe!
Die Mazzi scheinen jedoch aus der Region Verona zu kommen: Dr. Rodolfo Mazzi verwies in einem Interview auf Radio RSI auf einen Kampf zwischen den Mazzi und den Scaligeri von Verona. Die Mazzi wurden besiegt, in die Täler des heutigen Kantons Tessin getrieben und flüchteten in die Centovalli.
Sie wanderten bereits 1600 und vielleicht auch schon früher in die Toskana aus. Zuerst im Hafen von Medici in Livorno und dann (der vielleicht unternehmerischste in Florenz, am Hof der Medici.
Petronio Mazzi (1681-1753) wurde Schatzmeister, baute unser Haus in Palagnedra und hatte das Privileg, das Medici-Wappen (aus Schmiedeeisen) auf einer kleinen Terrasse unterzubringen.
Nach der Herrschaft der Medici wechselte die Familie Mazzi in den Handel: Geschäfte und Delikatessengeschäfte in Mailand, Turin, Florenz und Bologna. Die Rotisserie meines Urgroßvaters und Großvaters war auf der Piazza Fontana.
Leider weiss ich nichts über Mazzi in Verdasio. Schon gar nicht, wann sie den Namen in Matzi (?) geändert haben.
Bald möchte ich mehr über das Archiv von Palagnedra erfahren: Es scheint, dass es ein Pergament (1200-1300?) gibt, das von einem Notar Mazzi geschrieben wurde.“

Vielen Dank für diese Rückmeldung!

Ich bin ziemlich sicher, dass wir noch mehr über die Familie Mazzi aus den Centovalli hören und lesen werden. Wer direkt mit Renate Fennes Kontakt aufnehmen möchte, kann sich gerne über das Kontaktformular an mich wenden.

1./8. Februar 2019
im Blog von des schweizerisch-kanadischen Schriftstellers Kurt Hutterli sind drei interessante Ergänzungen zu finden:


Von Costa Centovalli nach Costa Rica

Von Tal zu Tal hatten wir doch schon? Vom Okanagan Valley zum Centovalli, im authentischen Blog von Kurt Hutterli. Und nun noch vom Centovalli ins Rainbow Valley?

Es musste einfach mal sein, die Reise von Costa nach Costa Rica. Wobei eben Costa im Centovalli liegt und das Rainbow Valley in Costa Rica, in diesem landschaftlich weitaus reicheren Gebiet Zentralamerikas zwischen Nicaragua und Panama. Der Landstreifen zwischen Pazifik und Karibik beherbergt unterschiedlichste klimatische Bedingungen ab Meereshöhe bis zum „Cerro Chirripó“ auf 3820m. Da halten die Tessiner Berge nicht mehr mit. Auch die Baumgrenze liegt bei uns etwa 1000m tiefer als bei 3400m in Costa Rica.

Um einen Vergleich zu ermöglichen, beschränke ich mich auf das Gebiet von Monteverde, mit seinen Nebelwäldern. Und tatsächlich werden hier Erinnerungen an die Centovalli wach. Innert Minuten zieht Nebel auf und taucht alles in Weiss und ebensoschnell wird es wieder Grün oder setzt ein extremer Regen ein, der selbst die hölzernen Zäune am Wegrand mit Pflanzen begrünt. Etwas mehr Tiere, als unser einheimisches „kreuchendes und fleuchendes Berg- und Tal-Vieh“ hat es natürlich auch; Schlangen, Schmetterlinge, furchterregende Spinnen und Kolibris. Die allseits geliebten Faultiere und Leguane sind allerdings im Nebelwald eher selten. Gigantisch dagegen die Flora: Die Tessiner Laub- und Nadelwälder sind vertauscht mit tropischen Riesen-Farnen, Palmen und Bananenpflanzen, mit Vanille- und vielen anderen Gewürzen, mit Kaffeebohnen und Kakaofrüchten.

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Wäre das Centovalli gerne ein Nationalpark geworden – was die Tessiner Bevölkerung im Sommer 2018 leider abgelehnt hat – ist die Liste der Nationalparks in Costa Rica fast endlos. Sicher ein Vorbild für Naturschutz, auch wenn mit all den Zip-Lines, Kajak-Fahrten und anderen halsbrecherischen Aktivitäten das Gleichgewicht Richtung kommerziellem Adventure-Park zu kippen droht.

Ach ja, über die Strassen sollte ich noch schreiben. Wer sich schon über den italienischen Strassenbelag im Valle Vigezzo geärgert hat, dürfte seine Meinung nach einer Costa Rica Reise ändern (zu neu: traumhafte und sichere Schnellstrasse mit perfektem Belag!). Für die letzten 25 km nach Monteverde dauert es länger als eine Stunde. Und wer Pech hat und gerade auf ein überflutetes Strassenstück stösst, darf sich noch einen dreistündigen Umweg von Schlagloch zu Schlagloch genehmigen. Eine Massage brauchst Du danach nicht mehr! Eher einen Arzt bei allfälligem Bandscheibenvorfall…

Wer die Centovalli liebt, wird sich in Monteverde wohl fühlen. Ganz besonders im Rainbow Valley, was eigentlich gar kein Tal ist, sondern eine landestypische Lodge, die ich jedem und jeder Reisenden nur empfehlen kann.

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Nebst Monteverde waren wir auch in Costaverde (Ha! nochmals Costa!) im Manuel Antonio Nationalpark bei den Faultieren und Waschbären, in Tamarindo an der Pazifikküste (für’s Strandleben), beim Arenal-Vulkan in La Fortuna (in den heissen Quellen) und am Rande des Poas Vulkan auf 2’500m, um etwas Schwefelduft zu atmen. Vieles davon war ebenso schön, anderes anders, aber alles nicht Teil dieser Geschichte…

Mach Dich auf nach Costa Rica oder schreib einen Kommentar, wenn Du schon dort warst!

Wie man eine Wasserspitzmaus auf dem Ruscada findet…

Wie versprochen möchte ich noch etwas über die Forscher der „Società Ticinese di scienzi naturali“ berichten. Zu viert waren sie während einer Woche am Ruscada aktiv und haben für ein Forschungsprojekt die Tierpopulation erhoben.

Der Biologe Omar Lenzi (rechts im Bild) und Tiziano Maddalena (links) haben uns erzählt, dass sie an verschiedenen Orten am Ruscada über 200 Fallen aufgestellt hätten, um Kleintiere zu zählen, die dann während maximal 24 Stunden gefangen waren. Nur einige Mäuse mit ihrem schnellen Metabolismus hätten  diese Zeitspanne leider nicht überlebt. Grössere Tiere wären mit Foto-Fallen gestellt worden. Pro Kontrollgang wurden über 50 Tiere gefunden mit insgesamt  9 verschiedenen Arten.

Ein ganz spezieller Fund war die kleine Wasserspitzmaus, welche sich normalerweise nicht auf dieser Höhe bewegt und eher bei grösseren Gewässern zu finden ist. (s. Bild in Lebendfalle)

Das Forschungsprojekt wird weitere Gegenden in den Centovalli und den Terre di Pedemonte umfassen. U.a. werden die Fallen in den nächsten Wochen während ein paar Tagen auch in Costa Borgnone aufgestellt. Im Winter werden die Daten am Institut der „Società Ticinese di scienzi naturali“ ausgewertet und in einer Studie vorgestellt. Wir wünschen viel Erfolg!

Pizzo Ruscada – der Weg ist das Ziel

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Der 28. September 2018 war ein absoluter Traumtag, wolkenlos mit angenehmen Temperaturen. Ideal zum wandern auf die Gipfel der Centovalli. Eine der schönsten Wanderungen – nebst dem Gridone von der Brissago-Seite – ist der Aufstieg zum Pizzo Ruscada ab Costa Borgnone. Keine anspruchsvolle Wanderung, aber eine äusserst anstrengende, für die mehr als 8 Stunden eingerechnet werden sollten.

Der Weg ist auf der Karte nicht mehr als Wanderweg eingetragen. Er wurde aber in den letzten Jahren wieder regelmässig gepflegt und ist auch ohne Karte mit ausreichender Beschilderung gekennzeichnet. Ein besonderes Lob gilt der „Assoziazione Pro Costa di Borgnone“, welche ein heikles Stück Weg mit grossem Aufwand restauriert hat. Als Höhepunkt gilt das gerodete Plätzchen etwa bei Streckenhälfte zu Corte Nuovo, welches mit einem gemütlichen Holzbänklein ausgestattet ist und bereits einen fantastischen Ausblick auf die Centovalli ermöglicht.

Sollte das Wetter unterwegs einmal umschlagen, bietet Corte Nuovo ein Rifugio zur Übernachtung. Für die renovierte Steinhütte haben wir doch vor ein paar Jahren auch noch ein paar Dachsteine gespendet. Eine gute Investition!  Die zweckmässig ausgestattete Hütte kann vor Ort über die angeschlagene Telefonnummer geöffnet werden. Bei unserem Aufstieg war sie von Forschern der „Società Ticinese di scienzi naturali“ besetzt. Doch davon später mehr…

Weiter führt der Weg zum Ruscada durch märchenhafte Lärchenwälder, gefüllt mit Alpenrosen, Heidelbeerbüschen und einer grossen Pilzvielfalt. Die Aussicht geht nun ins Valle Onsernone. Auf dem Gipfel bot sich Tanja und mir eine absolut wolkenlose klare Aussicht nach Italien (Olgia und Rè) bis weit in die Walliser Schneegipfel des Monte Rosa. Wie ein Schmetterling erhob sich auch ein Gleitschirm-Flieger in die Stille der Tessiner Täler.

Abgesehen von ein paar Muskelkrämpfen werde ich den Tag wohl lange in Erinnerung behalten. Ich hoffe, dass noch ein paar von euch Leserinnen und Lesern dem Beispiel folgen und die letzten Herbsttage für diese tolle Wanderung nutzen.

Temperaturen, Niederschlag und globale Strahlung

Mit den Statistiken zu Temperaturen, Niederschlag und globaler Strahlung weisst Du , wie das Wetter im Alta Centovalli in der Vergangenheit war. Auf einer Höhe von fast 1000 m.ü.M. weichen die Temperaturen beträchtlich von den Messungen z.B. in Locarno ab. Hier geht es zur Übersicht, wo Du auch die Statistiken des Vorjahres findest.

Die Wetterdaten stammen von der Messstation Costa Borgnone alta Centovalli und wurden freundlicherweise von  MeteoGroup Schweiz zur Verfügung gestellt.