Temperaturen, Niederschlag und globale Strahlung

Mit den Statistiken zu Temperaturen, Niederschlag und globaler Strahlung weisst Du , wie das Wetter im Alta Centovalli in der Vergangenheit war. Auf einer Höhe von fast 1000 m.ü.M. weichen die Temperaturen beträchtlich von den Messungen z.B. in Locarno ab. Hier geht es zur Übersicht, wo Du auch die Statistiken des Vorjahres findest.

Die Wetterdaten stammen von der Messstation Costa Borgnone alta Centovalli und wurden freundlicherweise von  MeteoGroup Schweiz zur Verfügung gestellt.

Es war einmal – zur Geschichte der Centovalli

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An diesem regnerischen Septembertag scheint mir der rechte Moment, etwas in die Geschichte einzutauchen. Es gibt wenig – mir bekannte – digitalisierte Geschichtsschreibung aus den Centovalli. Und auch die analogen Bücher dazu sind meist vergriffen oder nur noch antiquarisch erhältlich.

Als kleinen Beitrag für historisch Interessierte möchte ich zwei übersetzte Artikel der Zeitschrift „Treterre“ aus den Jahren 1995-1996 beisteuern:

Auch wenn die Dokumente etwas anspruchsvoll zu lesen sind und Dich mit nicht mehr zeitgemässen langen Sätzen quälen, gibt es doch viel Aufschlussreiches, Unbekanntes, Lustiges und Interessantes zu finden. Ahnenforschung, Zuteilung von Besitztümern und Streit um Almen sind die wichtigen Themen. Und: Wusstest Du, dass am Ruscada Lärchenharz gewonnen wurde? Der Text gibt Hinweise, wem dieser Harz zu welchem Zweck verkauft wurde.

Einen fröhlichen Artikel zur heutigen Almbewirtschaftung im Centovalli und Onsernone Tal fand ich bei der Azienda Agricola, Capra Contenta, als freie Übersetzung eines Beitrags von Tre Terre Nr. 41, 2003

Eines der interessantesten Werke zur Aufarbeitung der Geschichte der alta Centovalli ist wohl das – leider ebenfalls vergriffene – Buch von Dante Fiscalini „Costa alta Centovalli – Otto secoli di storia“. Obwohl sich das Buch hauptsächlich mit der Geschichte des Dorfes Costa Borgnone beschäftigt, sind doch viele Dokumente repräsentativ für das ganze Tal.

Dieser historische Teil erscheint mir so wichtig, dass ich ihn in die Hauptnavigation der Website eingebaut habe: Geschichte der Centovalli

Festa St. Anna

Im Blog „Von Tal zu Tal“ des schweizerisch-kanadischen Schriftstellers Kurt Hutterli entdeckte ich kürzlich einen historischen Beitrag zum Fest der St. Anna in Rasa im Jahr 1954 – und den Bezug zur Kirche der ebenfalls verehrten Saint Anna in der kanadischen Kleinstadt Osoyoos.

Im Centovalli gibt es nebst Rasa zumindest eine weitere Kirche, welche der hl. Anna gewidmet ist, in Costa Borgnone. Jährlich findet dort heute noch eine Prozession statt. Nachdem die Statue der St. Anna vor vielen Jahren einmal von der Trage kippte, da die Träger wohl schon vorgängig gefeiert hatten, wurde die Strecke auf einen Rundgang um die Kirche redzuziert.

Im Anschluss findet traditionell eine Versteigerung zugunsten der Kirche statt. Die Besucher bringen etwas mit und ersteigern etwas. Häufig eine Flasche Grappa, die dann bis hundert Franken einbringt.

Nach einer original tessinerischen Polenta mit Gorgonzola oder Spezzatino – angerührt von Starkoch Ivan – und sommerlichem  Dorfgeplauder gibt es manchmal noch ein Konzert mit meist einheimischen Kräften. 2018 hiessen die Künstler Romy Rudolf von Rohr “Sopran”, Micaela Bonetti ”Klavier und Orgel” sowie Christian Gianoli “Klarinette”.

Immer ein wunderschönes Erlebnis, der Tag der heiligen St. Anna und diesmal gesegnet von schönstem Hochsommer-Wetter.

Verunreinigtes Trinkwasser

UPDATE 22. Juni 2018: Das Trinkwasser in Costa Borgnone ist ab sofort wieder geniessbar. Das Wasserwerk der GemeindeCentovalli empfiehlt, das Trinkwasser vor Gebrauch während 5 Minuten laufen zu lassen.

Alle Jahre wieder erfahre ich mehr oder weniger zufällig, dass das Trinkwasser bis auf Weiteres ungeniessbar sei. Nicht einmal Zähne putzen darf man damit und schon gar nicht das Küchengeschirr abwaschen.

Die Mitteilung der Comune delle Centovalli gilt nur für Costa sopra Borgnone. Mein Nachbar hat mir das italienischsprachige Flugblatt gebracht. Die Merkblätter wurden aber vor jedes Haus gelegt und mit einem Stein beschwert. Wie in der Steinzeit.

Abgesehen von kräftiger Diarrhoe und starken Winden lebe ich immer noch! Vielleicht sollte die Gemeinde zum Flugblatt noch ein Fläschen Grappa verteilen. Das desinfiziert doch gut.

Nicht nur beim Trinkwasser spürt man die Nähe zu Italien. Auch der Dorfplatz dieses grenznahen „paese“ strahlt Italianità aus…

Im Niemandsland

Mehr als ein Monat ist seit dem Felssturz im Val Vigezzo vergangen und es wird noch länger dauern, bis wieder ein Zug oder ein Auto die Schweizer Grenze passiert.

Die beste Gelegenheit, die gespenstisch einsam anmutende Landesgrenze zu Fuss zu überschreiten und eine kleine Wanderung ins Niemandsland zu unternehmen. Nur wenige Meter der SS37 entlang zweigt rechts ein Wanderweg nach Olgia und Dissimo oder gar bis nach Rè ab. Der gut erhaltene Römerpfad ist leicht zu begehen. Nach einem steilen Anstieg durch den Wald mit schönen Ausblicken auf den Melezzo (der Fluss heisst im Centovalli „die Melezza“) hinunter führt Dich der Weg gemächlich in 40 Minuten nach Olgia.

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Das kleine Dorf Olgia, das Gegenüber des schweizerischen Costa Borgnone sopra Camedo, ist ebenso ausgestorben wie der Grenzbereich. Der einzige Mensch, den ich dort sehe, ist eine Frau, die im unteren Dorfteil in der Türe steht. Auf mein Zurufen und Winken gibt’s aber keine Reaktion. Bin ich der Geist? Einzig ein paar Autos stehen auf dem Dorfplatz. Diese passen wohl zu den Motorrädern, die ich am Anfang des Weges gesehen habe. Ein paar clevere Italiener werden wohl mit dem Auto von Domodossola nach Olgia fahren und von dort mit der Enduro zur Grenze hinunter wo ein zweites Auto zur Weiterfahrt nach Locarno steht.

Eine traurige Geschichte für die Menschen beidseits der Grenze. Die Italiener fühlen sich hier wohl noch stärker am Ende der Welt, als die Schweizer. Hoffentlich hat diese Sperre für Strasse und Centovallina bald ein Ende…