Dorf an der Grenze 2

Pro Costa – ein Rückblick und Ausblick

Wie in vielen Tessiner Gemeinden ist die Wasserversorgung – auch heute noch – eines der streitbarstenThemen. Dies war auch in Costa s/Borgnone der Anlass, eine starke Stimme in der Gemeinde zu bilden. Wasser gab es meist genug, aber ein Wasserleitungs-Kataster fehlte. Auch andere Probleme quälten die Dorfbewohner und Ferienhaus-Besitzer: Die Wiesen vergandeten mehr und mehr, die alten Kastanienbäume starben, die wenig begangenen Wanderwege überwucherten und wurden aus den Wanderkarten gestrichen. Das Abfall-Problem war ungelöst, die Wege im Dorf glichen bei Regen Sturzbächen. Das alte Steindach der Kirche war im Zerfall und viele weitere Missstände brachten die Menschen zum Gespräch auf den Dorfplatz. Geld war dank begüterten Familien genug vorhanden, aber es brauchte den Anstoss und die starke Hand eines Tessiners, um den Stein ins Rollen zu bringen. Dante Fiscalini, Sohn des Achille aus dem angestammten Geschlecht des Dorfes hatte die Verbindungen zu Kanton und Gemeinde (damals noch Borgnone) und sah die Lösung – auch im Tessin ist man sehr schweizerisch – in der Gründung eines Vereins.

Am 15. April 1995 fand die konstituierende Versammlung der „Associazione Pro Costa di Borgnone“ statt. Die meisten Dorfbewohner wurden rasch Mitglieder des Vereins und erfreuten sich an den Begleitaktivitäten und Dorffestern. Eines der ersten Projekte war die Renovation des alten Brunnens in Bagnadù. Ein Meilenstein – Jahre später – war die Dorf-Chronik „Costa Alta Centovalli – Otto secoli di storia„, die Dante Fiscalini schrieb. 16 Jahre später übernahm Ruth Pedrazzetti-Weibel das Präsidium des Vereins und führte diesen dank Zweisprachigkeit und familiären Tessiner-Wurzeln erfolgreich weiter.

25 Jahre nach Gründung des Vereins verliert die Generation der Pioniere langsam ihre Kraft, die Geschäfte weiter zu entwickeln und eine neue motivierte Generation ist nicht in Sicht. Sehr vieles wurde in all den Jahren erreicht und vielleicht fehlen nun wichtige Ziele, was für das Dorf noch getan werden sollte. Nach dem Rücktritt von Ruth Pedrazzetti übernahm der bisherige Vizepräsident Moreno Meni letztes Jahr die Geschäfte und wird die Mitglieder am 20. April 2019 vor die schicksalshafte Frage stellen, ob der Verein aufgelöst oder stillgelegt werden soll.

Ich bin gespannt, wie der Entscheid ausfallen wird und hoffe, dass es lediglich zu einer Stilllegung kommen wird. Strukturen sind schneller zerschlagen, als wieder aufgebaut. Stellvertretend für alle Mitglieder von Pro Costa bedanke ich mich beim Vorstand und den bisherigen Präsidenten für die selbstlose Milizarbeit in einem Dorf an der Grenze, das ohne starke Stimme längst vergessen wäre.

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Eines der letzten Projekte von Pro Costa, die schöne Holzbank am neu geschaffenen Aussichtspunkt auf dem Weg von Costa nach Corte Nuovo.

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