Ein Franken für ein Rustico

Warum nicht einmal von Italien lernen? Du kaufst ein Rustico für einen Franken und bist auf der Gegenseite verpflichtet, dieses innerhalb von 6 Monaten auf eigene Kosten zu renovieren. Das könnte doch auch den ausgestorbenen Dörfern und Weilern im Centovalli zu neuem Leben verhelfen. Erschwinglich sind Eigentumswohnungen oder Einfamilienhäuser in der Schweiz ohnehin für immer weniger Menschen. Warum nicht eine bescheidene Mietwohnung in der Stadt und ein eigenes Rustico im Tessin? Oder noch besser: Im Centovalli wohnen, die Kinder im Tal zur Schule schicken und mithelfen, die marode Infrastruktur wieder aufzubauen.

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Zugegeben, die Idee ist nicht ganz neu. Erfinder war der Benetton-Fotograf Oliviero Toscani, der das Projekt in der durch ein Erdbeben zerstörten Stadt Salemi erstmals umsetzen wollte. Zwischenzeitlich wurde die Idee in 25 italienischen Dörfern Realität. Es gibt sogar eine Webseite dazu: https://casea1euro.it

Die Homepage des Marketing-Managers Maurizio Berti erzielt heute 50’000 Klicks pro Tag aus aller Welt. Über 400 Häuser wurden bislang so verkauft. In einem informativen Artikel vom 22. Januar 2020 beschreibt der Journalist Marc Zollinger für die NZZ, wie 2017 nach einer Reportage von CNN innerhalb von 48 Stunden 45’000 Emails und 2000 Anrufe beim Bürgermeister von Sambuca eingingen. Ein Mann aus Dubai soll gefragt haben, wie viel denn das ganze Dorf koste.

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Was wäre wenn – dies auch im Centovalli möglich würde? Die Probleme sind wohl ähnlich wie in Italien: Verworrene Erbgemeinschaften der verlassenen Ställe und Rustici erschweren den Verkauf und Auktionen mit mehreren Interessenten erhöhen schnell den Preis der Objekte. Weit höher dürften aber die Renovationskosten in der Schweiz zu stehen kommen und weit komplizierter als in Italien sind die Baubewilligungen.

Das ganze Centovalli ist heute eine einzige Gemeinde mit Sitz in Intragna. Die Steuerung des Versuchs, mehr Leben ins Tal zu bringen, wäre damit stark vereinfacht. Mit etwas Mut, das Wagnis einzugehen, könnte dem Verfall der verlassenen Häuser Einhalt geboten und junge Familien angezogen werden. Warum nicht einmal von Italien lernen?

Artikel NZZ vom 22. Januar 2020
Marc Zollinger, Rom

2 Antworten auf „Ein Franken für ein Rustico“

  1. LIEBER HERR ZUBER,ICH BIN SEIT BALD 40 JAHREN IM CENTOVALLI ZUHAUSE UND KANN MIR NICHT VORSTELLEN,DASS RUSTICOS FÜR 1 FRANKEN VERKAUFT WERDEN.INSBESONDERE WEIL SOZUSAGEN ALLE IN PRIVATEM BESITZ SIND.UND DA WIRD NICHTS VERSCHENKT.LEIDER IST DIE MENTALITÄT AUCH ETWAS BÜRGERLICH UND SELBST DER VERKAUF IST TRÄGE.ZUDEM SIND DIE „STADTLEUTE“NICHT BEREIT,EINSCHRÄNKUNGEN IN KAUF ZU NEHMEN.SCHADE,DIE IDEE WÄRE WUNDERBAR.TROTZDEM VIELEN DANK AN SIE FÜR DAS INTERESSE AM CENTOVALLI.

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