Spätsommer im Tal

Das Becken im wilden Bach ladet nicht mehr zum Bade…

Es ist kalt geworden im Centovalli. Zwar nicht aussergewöhnlich, aber ich bin es nach diesen Hitzesommern – die auch die Dörfer in den Alta Centovalli nicht verschonten – nicht mehr gewohnt, anfangs September zu frieren und die Wollpullover aus dem Schrank zu holen. Und es hat geregnet. Unglaubliche Wassermengen schiessen bei den starken und nicht enden wollenden Gewittern ins Tal. Der Rückruf der Gemeinde Centovalli, dass die sommerliche Wasserknappheit beendet sei, mutet dabei fast seltsam an. Das Wetter kann es einem einfach nie recht machen…

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… auch den schönen alten Steindächern nicht. Bei solchem Extremregen, Sturm, Wind und Hagel dringt fast überall etwas Wasser ins Haus. Letzte Gelegenheit, die selten gewordenen Spezialisten zu suchen, welche die Lecks in den Dächern finden und flicken. Das Eternitdach wäre da sicherer, aber wohl kein echter Ersatz für den Steinhausbau. Schönheit muss leiden, zumindest monetär, denn ein neues Steindach kostet heute schnell einmal mehr als 100’000 Schweizer Franken.

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Von den aufgeweichten Böden profitiert noch eine anderes Spezies. Ja, sie sind wieder unterwegs, die Cinghiale oder zu deutsch die Wildschweine und sie suchen nach verborgenen Schätzen unter der Erde. Immer näher kommen sie den Dörfern, bevorzugt in Gruppen, aber meist unsichtbar. Kurt Hutterli schreibt in seinem Blog „Von Tal zu Tal“ noch von intimeren Begegnungen – mit Bären im Okanagan Valley. Da sind wir doch fast wieder zufrieden mit den kostenlosen Umgrabe-Arbeiten.
1981 wanderten die ersten Tiere aus Italien ins Tessin. Die rasante Vermehrung der Cinghiale begünstigt auch die regionale Jagd. Bis zu 1500 Tiere werden jährlich erlegt. Das eine oder andere arme Schwein dürfte danach auf unseren Tellern landen.

foto Lory Mutta

Ein sicheres Dach über dem Kopf haben die ältesten Einwohner der Centovalli. Seit 90 Jahren gibt es die „Fondazione Casa Anziani Regionale San Donato“ in Intragna. Zum 90-jährigen (Altersdurchschnitt der Bewohnerinnen und Bewohner?) Jubiläum gibt es am 28. September 2019 ein grosses Fest und eine Ausstellung. Wer sagt denn da, es sei nichts los im Tal. Nichts wie hin und eine Runde tanzen. Da öffnen sich die Herzen der Tessiner auch für Deutschsprachige.

Die Wetterfrösche meinen, es soll wieder wärmer werden. Mit den Wetterprognosen in den Tälern des Locarnese ist es allerdings so eine Sache. Zieht das Gewitter aus dem Valle Vigezzo ins Onsernonetal oder doch ins Centovalli? Oder kommt es vom See über den Gridone? Niemand kann das so genau vorhersagen. Immerhin gibt es eine Wetterstation in Intragna und eine in Costa Borgnone mit 4-Tage-Prognosen, die man vor Wanderungen im Tal konsultieren sollte. Rückblickend findest Du alles in meinen grafisch aufbereiteten Wetterstatistiken, die mir jeweils freundlicherweise von MeteoGroup Schweiz zur Verfügung gestellt werden.

Eine Antwort auf „Spätsommer im Tal“

  1. Wir freuen uns jedesmal sehr über Deine Centovalli-Beiträge, lieber Robert!
    Auch wenn wir seit gut 23 Jahren im Südwesten von Kanada leben, bleiben die Centovalli ein sehr wichtiger Teil unserer inneren Heimat. Dein neuster Beitrag weckt viele Erinnerungen an heftige Regenfälle, die in kurzer Zeit steile Wege in reissende Bäche verwandeln, an undichte Steindächer und an die Cinghiali. Wir, vor allem unsere Kinder, waren begeistert, als die erste Wildschweinmutter mit ihren reizenden gestreiften Jungen neben unserem Haus auftauchte. Die Freude verflog dann, als der nächste sturzflutähnliche Regen den Humus der umgeackerten Wiese talwärts schwemmte…

    Kurt und Marianne Hutterli, Okanagan Valley, British Columbia

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