Wie man eine Wasserspitzmaus auf dem Ruscada findet…

Wie versprochen möchte ich noch etwas über die Forscher der „Società Ticinese di scienzi naturali“ berichten. Zu viert waren sie während einer Woche am Ruscada aktiv und haben für ein Forschungsprojekt die Tierpopulation erhoben.

Der Biologe Omar Lenzi (rechts im Bild) und Tiziano Maddalena (links) haben uns erzählt, dass sie an verschiedenen Orten am Ruscada über 200 Fallen aufgestellt hätten, um Kleintiere zu zählen, die dann während maximal 24 Stunden gefangen waren. Nur einige Mäuse mit ihrem schnellen Metabolismus hätten  diese Zeitspanne leider nicht überlebt. Grössere Tiere wären mit Foto-Fallen gestellt worden. Pro Kontrollgang wurden über 50 Tiere gefunden mit insgesamt  9 verschiedenen Arten.

Ein ganz spezieller Fund war die kleine Wasserspitzmaus, welche sich normalerweise nicht auf dieser Höhe bewegt und eher bei grösseren Gewässern zu finden ist. (s. Bild in Lebendfalle)

Das Forschungsprojekt wird weitere Gegenden in den Centovalli und den Terre di Pedemonte umfassen. U.a. werden die Fallen in den nächsten Wochen während ein paar Tagen auch in Costa Borgnone aufgestellt. Im Winter werden die Daten am Institut der „Società Ticinese di scienzi naturali“ ausgewertet und in einer Studie vorgestellt. Wir wünschen viel Erfolg!

Pizzo Ruscada – der Weg ist das Ziel

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Der 28. September 2018 war ein absoluter Traumtag, wolkenlos mit angenehmen Temperaturen. Ideal zum wandern auf die Gipfel der Centovalli. Eine der schönsten Wanderungen – nebst dem Gridone von der Brissago-Seite – ist der Aufstieg zum Pizzo Ruscada ab Costa Borgnone. Keine anspruchsvolle Wanderung, aber eine äusserst anstrengende, für die mehr als 8 Stunden eingerechnet werden sollten.

Der Weg ist auf der Karte nicht mehr als Wanderweg eingetragen. Er wurde aber in den letzten Jahren wieder regelmässig gepflegt und ist auch ohne Karte mit ausreichender Beschilderung gekennzeichnet. Ein besonderes Lob gilt der „Assoziazione Pro Costa di Borgnone“, welche ein heikles Stück Weg mit grossem Aufwand restauriert hat. Als Höhepunkt gilt das gerodete Plätzchen etwa bei Streckenhälfte zu Corte Nuovo, welches mit einem gemütlichen Holzbänklein ausgestattet ist und bereits einen fantastischen Ausblick auf die Centovalli ermöglicht.

Sollte das Wetter unterwegs einmal umschlagen, bietet Corte Nuovo ein Rifugio zur Übernachtung. Für die renovierte Steinhütte haben wir doch vor ein paar Jahren auch noch ein paar Dachsteine gespendet. Eine gute Investition!  Die zweckmässig ausgestattete Hütte kann vor Ort über die angeschlagene Telefonnummer geöffnet werden. Bei unserem Aufstieg war sie von Forschern der „Società Ticinese di scienzi naturali“ besetzt. Doch davon später mehr…

Weiter führt der Weg zum Ruscada durch märchenhafte Lärchenwälder, gefüllt mit Alpenrosen, Heidelbeerbüschen und einer grossen Pilzvielfalt. Die Aussicht geht nun ins Valle Onsernone. Auf dem Gipfel bot sich Tanja und mir eine absolut wolkenlose klare Aussicht nach Italien (Olgia und Rè) bis weit in die Walliser Schneegipfel des Monte Rosa. Wie ein Schmetterling erhob sich auch ein Gleitschirm-Flieger in die Stille der Tessiner Täler.

Abgesehen von ein paar Muskelkrämpfen werde ich den Tag wohl lange in Erinnerung behalten. Ich hoffe, dass noch ein paar von euch Leserinnen und Lesern dem Beispiel folgen und die letzten Herbsttage für diese tolle Wanderung nutzen.

Temperaturen, Niederschlag und globale Strahlung

Mit den Statistiken zu Temperaturen, Niederschlag und globaler Strahlung weisst Du , wie das Wetter im Alta Centovalli in der Vergangenheit war. Auf einer Höhe von fast 1000 m.ü.M. weichen die Temperaturen beträchtlich von den Messungen z.B. in Locarno ab. Hier geht es zur Übersicht, wo Du auch die Statistiken des Vorjahres findest.

Die Wetterdaten stammen von der Messstation Costa Borgnone alta Centovalli und wurden freundlicherweise von  MeteoGroup Schweiz zur Verfügung gestellt.

Es war einmal – zur Geschichte der Centovalli

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An diesem regnerischen Septembertag scheint mir der rechte Moment, etwas in die Geschichte einzutauchen. Es gibt wenig – mir bekannte – digitalisierte Geschichtsschreibung aus den Centovalli. Und auch die analogen Bücher dazu sind meist vergriffen oder nur noch antiquarisch erhältlich.

Als kleinen Beitrag für historisch Interessierte möchte ich zwei übersetzte Artikel der Zeitschrift „Treterre“ aus den Jahren 1995-1996 beisteuern:

Auch wenn die Dokumente etwas anspruchsvoll zu lesen sind und Dich mit nicht mehr zeitgemässen langen Sätzen quälen, gibt es doch viel Aufschlussreiches, Unbekanntes, Lustiges und Interessantes zu finden. Ahnenforschung, Zuteilung von Besitztümern und Streit um Almen sind die wichtigen Themen. Und: Wusstest Du, dass am Ruscada Lärchenharz gewonnen wurde? Der Text gibt Hinweise, wem dieser Harz zu welchem Zweck verkauft wurde.

Einen fröhlichen Artikel zur heutigen Almbewirtschaftung im Centovalli und Onsernone Tal fand ich bei der Azienda Agricola, Capra Contenta, als freie Übersetzung eines Beitrags von Tre Terre Nr. 41, 2003

Eines der interessantesten Werke zur Aufarbeitung der Geschichte der alta Centovalli ist wohl das – leider ebenfalls vergriffene – Buch von Dante Fiscalini „Costa alta Centovalli – Otto secoli di storia“. Obwohl sich das Buch hauptsächlich mit der Geschichte des Dorfes Costa Borgnone beschäftigt, sind doch viele Dokumente repräsentativ für das ganze Tal.

Dieser historische Teil erscheint mir so wichtig, dass ich ihn in die Hauptnavigation der Website eingebaut habe: Geschichte der Centovalli

Festa St. Anna

Im Blog „Von Tal zu Tal“ des schweizerisch-kanadischen Schriftstellers Kurt Hutterli entdeckte ich kürzlich einen historischen Beitrag zum Fest der St. Anna in Rasa im Jahr 1954 – und den Bezug zur Kirche der ebenfalls verehrten Saint Anna in der kanadischen Kleinstadt Osoyoos.

Im Centovalli gibt es nebst Rasa zumindest eine weitere Kirche, welche der hl. Anna gewidmet ist, in Costa Borgnone. Jährlich findet dort heute noch eine Prozession statt. Nachdem die Statue der St. Anna vor vielen Jahren einmal von der Trage kippte, da die Träger wohl schon vorgängig gefeiert hatten, wurde die Strecke auf einen Rundgang um die Kirche redzuziert.

Im Anschluss findet traditionell eine Versteigerung zugunsten der Kirche statt. Die Besucher bringen etwas mit und ersteigern etwas. Häufig eine Flasche Grappa, die dann bis hundert Franken einbringt.

Nach einer original tessinerischen Polenta mit Gorgonzola oder Spezzatino – angerührt von Starkoch Ivan – und sommerlichem  Dorfgeplauder gibt es manchmal noch ein Konzert mit meist einheimischen Kräften. 2018 hiessen die Künstler Romy Rudolf von Rohr “Sopran”, Micaela Bonetti ”Klavier und Orgel” sowie Christian Gianoli “Klarinette”.

Immer ein wunderschönes Erlebnis, der Tag der heiligen St. Anna und diesmal gesegnet von schönstem Hochsommer-Wetter.